2010_11_14_volkstrauertagUnser Volk soll das Trauern nicht verlernen. Es soll erschüttert bleiben über das Unmenschliche, das wir uns gegenseitig zufügen können. Ist solche Trauer überhaupt sinnvoll? Ist es nicht besser, zu vergessen? Sollen wir denn ständig mit schlechtem Gewissen herumlaufen?
Diese Fragen stellte Franz-Josef Wiesner, Vorstand der Reservistenkameradschaft in Gramschatz in seiner Rede anlässlich des Volkstrauertages in Gramschatz.

„Ein bekannter Satz heißt: Weil die Toten schweigen, beginnt immer alles wieder von vorn. Deshalb halte ich es für wichtig, den schweigenden Toten eine Stimme zu geben und an ihrer Stelle daran zu erinnern, dass wir eigentlich verharmlosend von „Gefallenen" sprechen, wenn es sich um grausame Fakten handelt: ertrunken, verblutet, zerfetzt von einer Bombe, jämmerlich verbrannt in einem Flugzeug oder verendet in einem Gefangenenlager" so Wiesner.

Heute ist das Kriegsgeschehen weit weg. Was aber wäre, wenn die Bundeswehrsoldaten, die in Afghanistan gefallen sind, unsere eigenen Väter, Kinder, Schwestern, Brüder oder Freunde wären?
Er erinnerte auch an die Millionen Menschen, die durch Nazi-Gewaltherrschaft oder in der jüngeren Vergangenheit durch so genannte „ethnischen Säuberungen" ermordet wurden: Menschen anderer Rassen oder Glauben, Juden, Geisteskranke, Homosexuelle, Roma und Sinti, Priester und Pastoren. Vor allem für junge Menschen, die heute nur eine vage Vorstellung vom „real existierenden Sozialismus" haben.
Zumindest, was die jüngste Vergangenheit betrifft, gebe es noch genug Zeitzeugen. Hören wir auf sie, lernen von ihnen - gerade am Volkstrauertag. Erst dann haben die vielen Reden an diesem Tag einen Sinn.

Anlässlich des Volkstrauertages stellten sich die Vereine nach dem feierlichen Gottesdienst in der Gramschatzer St. Cyriakus Kirche am Kriegerdenkmal auf.
Musikalisch begleitet wurden sie dabei vom Choral der Musikkapelle Gramschatz. Nach den Segensgebeten der Geistlichen legte der zweite Rimparer Bürgermeister Dirk Wiesner,  einen Kranz nieder. Am Ende stimmten alle gemeinsam das Deutschlandlied an.

Bericht & Foto Nadja Kess (Main-Post)

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